Das Ghetto

Die Festung Theresienstadt (1789 – 1941)

Unter dem Regiment des österreichischen Herrschers Joseph II. wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein ganzes Befestigungssystem im Norden Böhmens und Mährens erbaut, um die ständigen Angriffe Preußens abzuwehren. Im Zuge dessen enstand auch die Anlage Theresienstadt, bestehend aus einer kleinen und einer großen Festung an den Ufern der Eger. Nach ihrer Fertigstellung zählte sie zu einer der modernsten und kriegstechnisch am besten ausgestatteten Festungen in Europa.

Aufgrund der politischen Entwicklung der folgenden Jahrzehnte, erhielt sie allerdings lange Zeit keine militärische Geltung. Die ca. 5.500 Mann starke Garnison blieb jedoch, und um sie herum siedelten immer mehr Handwerker, Händler und Gastronomen an, um ihren Unterhalt mit der Versorgung der Stadt zu verdienen.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Festung genutzt, um Kriegsgefangene aus Russland, Serbien und Italien zu inhaftieren.

Das Ghetto Theresienstadt (1941 – 1945)

Am 17.10.1941 wurde die Errichtung eines Ghettos in Theresienstadt beschlossen. Die kleine Festung war bereits ein Gestapogefängnis und die nächsten tschechischen Siedlungen waren weit entfernt, während ganz in der Nähe die Stadt Leitmeritz lag, in der SS-Einheiten und Teile der Wehrmacht untergebracht waren. Außerdem bestand Anbindung zum Eisenbahnnetz. Noch im selben Jahr kamen die ersten Transporte.

1944 wurde Theresienstadt zum „Vorzeigelager.“ Das Verbrechen der Nazis an den Juden war durchgesickert und die Verantwortlichen versuchten verstärkt, die Wahrheit zu verbergen. Sie genehmigten dem Internationalen Roten Kreuz, eine Kommission nach Theresienstadt zu schicken, um sie von den „guten Zuständen“ im Lager zu überzeugen. Des Weiteren befahl Hitler den Dreh des Dokumentarfilms „Die geschenkte Stadt“, der ebenfalls in Theresienstadt entstehen sollte.

Aus diesen Anlässen begann nun die „Stadtverschönerung“. Häuser erhielten einen Neuanstrich, die Straßen wurden ausgebessert und Krankenhäuser neu hergerichtet. Die Todesstrafe wurde offiziell abgeschafft, Hinrichtungen fortan heimlich in der Kleinen Festung vollstreckt. Das Verbot der künstlerischen Gestaltung wurde aufgehoben und Schriftsteller, Maler, Filmmemacher und Musiker gingen wieder ans Werk. Es gab ein Café mit Orchester, eine Bank mit eigenem „Ghettogeld“, ein Gemeinschafts- und ein Jugendhaus, eine Bibliothek und eine Schule, die niemand betreten durfte. Es entstand außerdem ein Theaterhaus, in dem eigens für den Anlass verfasste Opern und Theaterstücke aufgeführt wurden. Mitte Juni 1944 wurden 75.000 Juden nach Auschwitz abtransportiert um den Umstand der Platznot zu vertuschen.

Für viele war die Ausübung der Kunst eine Quelle von Kraft und Hoffnung und barg die Möglichkeit, zu überleben. Manche nutzten sie auch, um heimlich die wahre Realität des Ghettos festzuhalten.

Als die Kommission das Lager am 23. Juni 1943 betrat, wurde ihnen ein harmonisches Stadtleben vorgegaukelt. Die Gefangenen mussten Alltagsszenen, wie das Ausladen von Essenslieferungen oder den Gang zur Schule vorspielen. Kranken oder ausgemergelten Menschen wurde es verboten, auf die Straßen zu gehen. Das Rote Kreuz zeigte sich zufrieden.

Im Mai 1945 wurde Theresienstadt von den sowjetischen Truppen befreit. Bis zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt mehr als 160.000 Menschen in das Ghetto gebracht worden, 35.000 davon waren vor Ort gestorben und 88.000 in Vernichtungslager deportiert. Von den 15.000 Kindern unter ihnen hatten 100 überlebt.

Die Gedenkstätte Theresienstadt (ab 1949)

Am 11. Juni 1949 eröffnete die Regierung der Tschechoslowakei in Theresienstadt das “Museum der Unterdrückung” zur Erinnerung an die nationalen Leiden des Volkes.
Schon 1952 kam der Vorschlag, dort auch eine dauerhafte Exposition über das Schicksal der Juden einzurichten, womit es jedoch lange Zeit Schwierigkeiten gab, da die Ehrung eines nicht-kommunistischer Widerstandes während der Nazizeit dem damaligen Regime nicht dienlich war.

Erst 1991 wurde ein “Ghettomuseum” auf hohem fachlichen und wissenschaftlichen Niveau eingerichtet. Seit ’97 gibt es auch eine internationale Begegnungsstätte mit Unterkunft für Besuchergruppen und Seminaren für Jugendliche, außerdem Ausstellungen über “Musik im Ghetto”, Bildende Kunst im Ghetto”, “Literatur im Ghetto” und Theater im Ghetto”.

Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link: www.pamatnik-terezin.cz

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