Coco Schumann

Coco SchumannGeboren und aufgewachsen in Berlin, kam Schumann in den 1930er Jahren in Kontakt mit den neu aufkommenden Musikrichtungen Jazz und Swing. Der Spitz- und Künstlername „Coco“ entsteht zu dieser Zeit, da eine französische Freundin den Namen „Heinz“ nicht aussprechen konnte und seinen zweiten Vornamen „Jakob“ zu „Coco“ verkürzte.

Mit der Einführung der Rassegesetze der Nationalsozialisten 1935 wurde Coco als „Geltungsjude“ eingestuft: Seine Mutter war jüdisch, sein Vater war vor der Hochzeit vom Christentum konvertiert.

Es gelang ihm, in Berliner Bars und Tanzclubs zu spielen, obwohl er noch minderjährig war. Zudem durften Juden nicht Mitglied in der Reichskulturkammer werden, also nicht als Musiker arbeiten und Geld verdienen. Die Nationalsozialisten erklärten Musikrichtungen wie Jazz und Swing für „undeutsch“. Dreifach der Illegalität ausgesetzt und mithilfe einer falschen Steueridentität spielte Schumann bis 1943 unter anderem im Orchester von Ernst van’t Hoff. Im März 1943 wurde er verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

In Theresienstadt gelang Coco Schumann der Anschluss an Fritz Weiss und andere Musiker, denen es ausdrücklich erlaubt war, Jazz und Swing zu spielen. Die Nationalsozialisten hatten Theresienstadt als Vorzeigeghetto geplant, um der deutschen Öffentlichkeit und dem Ausland den Eindruck zu vermitteln, die jüdische Bevölkerung würde human behandelt. Zu dieser Illusionsnummer gehörten insbesondere vielfältige Musik- und Kulturveranstaltungen.

Im September 1944 wurde er zunächst nach Auschwitz-Birkenau, im Januar 1945 nach Kaufering, einem Nebenlager vom KZ Dachau, verschleppt. Von Kaufering aus wurde Schumann im April 1945 mit anderen Häftlingen auf einen Todesmarsch in Richtung Innsbruck geschickt. Unterwegs wurde er von amerikanischen Soldaten befreit.

Nach dem Krieg kehrte Schumann nach Berlin zurück, wo er mit seiner zur E-Gitarre modifizierten Jazzgitarre schnell an alte Erfolge anknüpfen konnte. Zusammen mit Helmut Zacharias spielte Schumann eine Vielzahl von Konzerten, Radioübertragungen und Schallplattenaufnahmen. Im Jahr 1950 wanderte er mit seiner Frau nach Australien aus. Die Familie konnte dort jedoch nie Fuß fassen und kehrte 1954 nach Deutschland zurück. Hier setzte Schumann sein musikalisches Schaffen fort und spielte erneut in verschiedenen Tanz-, Radio- und Fernsehbands.
Er zog sich in den 1980er Jahren langsam zurück, nachdem sich die Unterhaltungsmusik immer weiter von Schumanns bevorzugtem Swing entfernt hatte.

In den 1990er Jahren besann er sich auf seine Wurzeln des Jazz und Swing und gründete das „Coco Schumann Quartett“. 2012 umrahmte es einen Festakt im Jüdischen Museum Berlin anlässlich der Unterzeichnung eines neugefassten Entschädigungsabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Jewish Claims Conference.

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