Der Film

00-FINAL 11Juli-ProRes.mov.Standbild001“Vom ersten Ton an geht es direkt in unsere Seele. Wir sind nicht mehr auf dieser Welt.”

Die Dokumentation “Refuge in Music – Theresienstadt” beginnt mit diesen Worten der Pianistin und Zeitzeugin Alice Herz-Sommer, die im Interview mit dem Geiger Daniel Hope die Macht der Musik beschreibt. Anfang 2014 im Alter von 110 Jahren verstorben war sie die älteste Holocaust-Überlebende der Welt. 

Ein weiterer Musiker, der noch aus erster Hand vom grausamen Leben im Ghetto berichten kann, ist der Jazz-Gitarrist Coco Schumann, der mit den “Ghetto Swingers” täglich im sogenannten “Caféhaus” spielen musste. “Ich bin der Musik dankbar, weil sie mir das Leben gerettet hat.” berichtet er aus heutiger Perspektive, während er für diese Produktion noch einmal die Last auf sich nimmt, durch die Gassen von Theresienstadt zu gehen. 

Die Kamera begleitet Herz-Sommer und Schumann auf ihrem Erinnerungsweg zurück in eine schreckliche Vergangenheit und lässt den Zuschauer mit detaillierten Beschreibungen des Ghetto-Alltags hautnah an der Reise voller intimer, schmerzhafter Erinnerungen und Gefühle teilhaben.

Musik von Komponisten, die in Theresienstadt interniert waren, unter ihnen Ilse Weber, Karel Švenk, Robert Dauber, Viktor Ullmann und Pavel Haas, rundet die Interviews und Rundgänge eindrucksvoll ab.

Zu hören und zu sehen sind Ausschnitte aus einem Konzert der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, auf deren Initiative das Programm entstand, des Geigers Daniel Hope, des Pianisten Bengt Forsberg und des Kontrabassisten, Gitarristen und Akkordeonisten Bebe Risenfors. Letzterer begleitet auch den Bariton Christian Gerhaher, an die Originalschauplätze des menschenverachtenden Ghettos, das die Nationalsozialisten perfide und systematisch als Vorzeigelager aufbauten. Damit täuschten sie erfolgreich das Internationale Rote Kreuz. Einzig und alleine aus diesem Grund war Kultur ab 1942 in Theresienstadt auch offiziell erlaubt, doch auch vorher fanden Häftlinge Mittel und Wege, sich mithilfe der Musik einen letzten Funken Sinn, Trost und Hoffnung zu erspielen.

„Refuge in Music“ ist ein Film von Musikern über die Musik an einem der dunkelsten Orte der Menschheitsgeschichte. Er vermittelt nicht nur die kostbare Begegnung mit Zeitzeugen sondern auch die teilweise sehr persönlichen Beweggründe der nächsten Musikergeneration, dem Vergessen entgegenzuwirken. Er schildert die Kraft der Kunst und ihrer Schöpfer und er soll Ansporn sein, aus der Vergangenheit die Lehre des “nie wieder” zu ziehen.

Ein Film von Dorothee Binding und Benedict Mirow. Eine Produktion der NIGHTFROG GmbH im Auftrag der Bayerische Akademie der Schönen Künste. (© 2013)

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